Hallo Kiebitze, ich weiß ja nicht, wie ihr es macht, aber ich benutze die Stiele am Rumpf gerne wie Griffe als Ein- und Ausstiegshilfe. Nun meine Frage: Welche Möglichkeit hat man, die Verkleidungen so fest zu gestalten, dass sie eben nicht eingedrückt werden? Als Profil wollte ich ein Naca-Profil wählen, welches ja das Rohr nicht direkt in der Nase aufnimmt, sondern etwas weiter hinten. Sprich: Nase bleibt praktisch hohl...
Moin Lutz! Ich hab schon mehrere Versionen ausprobiert: GFK mit Schaumkern vorn und hinten, Sperrholz oder Alublech hohl vorn und hinten. Am meisten Arbeit macht die GFK Version. Am schönsten fand ich die Holz Version, am praktikabelsten (und beschussfest!) ist die Blech Variante.
GFK: Erstmal Schaumkerne schneiden. Dann aufkleben. Anschliessend Glas drüber und spachteln und schleifen. Vieeeeel Arbeit aber auch sehr fest. Alternativ Sperrholz um die Kerne legen und vollflächig verkleben. Das es immer noch recht viel Arbeit macht die Kerne zu schneiden (besonders der vordere ist recht filigran), hab ich Variante zwei probiert: nur Holz.
Sperrholz: Aus Pappe eine Schablone schneiden die man am Stiel anpasst. Dann Teile aus 0.8mm Sperrholz ausschneiden. Das Holz mit kochendem Wasser komplett wässern. Wenn das Holz durchgezogen ist kann man es unglaublich biegen ohne das es bricht (was es tut wenn es trocken ist). Hierbei auf die Längsrichtung der Maserung achten. Mit zwei Dachlatten rechts und links und Schraubzwingen das Holz schon mal ein bischen in Form bringen und so trocknen lassen. Damit die Breite stimmt hab ich immer ein 28er Rohr mit reingelegt als Abstandshalter. Dann werden alle gleich. Wenn die Brettchen trocken sind, hab ich an einer Längsseite des Brettchens eine Balsa Endleiste aus dem Modellbau eingeklebt. Am Ende nicht vergessen die Verkleidung von innen mit Holzschutzfarbe zu streichen. Die Verkleidungen werden am Rohr mit Fahrzeug Karosseriekleber festgeklebt. Eine Raube von diesem PU Kleber auf beiden Seiten reicht. Man glaubt es nicht, aber das vorgeformte Holz mit dem Rohr verklebt ist so stabil das man es bei normaler Verwendung (anfassen) nicht kaputt bekommt. Da muss man schon mit dem Hammer draufhauen. Anschliessend wird das Holz mit einem Hozschutzmittel für Aussen in einer Farbe nach Wahl gestrichen. Sieht sehr hübsch aus! Das verkleben mit dem Karosseriekleber klappte so gut, das ich dann am nächsten Flieger die Variante in Alu probierte.
Aluminiumblech: Gleich wie oben. Erst brauchts ne Schablone. Das Blech wird aber 15mm breiter geschnitten als die Schablone. Diese Breite wird nachher eng gekantet und dient zum zusammennieten. Das ausgeschnittene Blech hab ich dann auf eine Rundbiegemaschine leicht vorgebogen. Dieses leichte vorbiegen bringt etwas mehr Stabilität ins Blech und verhindert beim Biegen der Vorderkante eine Wellenbildung. Allerdings geht´s auch ohne. Mein erstes Exemplar war ohne vorbiegen und wurde auch gerade. Allerdings muss man ein bisschen mehr aufpassen. Um die Vorderkante zu biegen, die echte Mitte anzeichnen und mit der Hand und einer Dachlatte das ganze auf dem Tisch drücken. So lange bis es passt. Ist das Rohr vorgebogen, entsteht ziemlich automatisch eine NACA (erstaunlich ähnliches) Profil. .....aber jetzt wirds schwierig! Das ganze muss ja an den Stiel und an der Endkante vernietet werden. Schwieriger als man denkt. Das Blech klafft ja immer noch etwa 30° auf. Sauber bekommt man das nicht an den Stiel um es da zu bohren. Ein einfaches Hilfsmittel hilft hier weiter, und ich versuch das mal zu beschreiben: zwei Dachlatten in Standard Maß und der Länge etwas mehr als die Verkleidung, werden auf der schmalen Seite im Abstand von etwa 8cm parallel nebeneinander gelegt. Dann werden die beiden langen Latten mit 3 kurzen Dachlattenstücken in der Mitte und den Enden auf jeder Seite mit je nur einer Spaxschraube verbunden. So ensteht ein gelenkiges Parallelogramm. Jetzt kommt der lustige Trick: Man spannt das ganze am kleinen Holz in der Mitte in den Schraubstock. Wenn man nun alles dreht, wandern die langen Latten parallel zusammen. Man hat einen sehr langen Schraubstock! Nun wird das Blech in die Holzvorrichtung gedrückt und diese gedreht. Die beiden seitlichen Enden des Blechs wandern zusammen und können so bequem gebohrt werden. Ich hab sie dann mit Clecos fixiert. Sind alle Bohrungen drin, kann man das Blech entnehmen und mit PU Kleber am Rohr verkleben. Das Blech dann vernieten und sicherheitshalber die Verkleidung mit zwei Dachlatten im Bereich des Rohrs mit Schraubzwingen über Nacht belassen. Das war jetzt zwar viel Text, hat sich aber als am wenigsten Arbeit rausgestellt wenn man weiß wie´s geht. Allerdings braucht man dazu ne kleine Kantbank, clecos und eben auch ne Rundbiegemaschine hat sich als hilfreich rausgestellt. Als Alu hab ich 0,5mm AlMG1 verwendet, also unser bewährtes hartes Alu. Bitte kein 99er, eloxiertes oder Baumarktzeug verwenden. Das wird nix!
Alles in allem favorisiere ich das Blech. Schnell und saustabil! Rein optisch gefällt mir das Holz am besten. Nur GFK würd ich heute nicht mehr machen, auch wenn das mit Kohle gemacht die leichteste Variante sein kann.
es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, nämlich die Rohre direkt durch tropfenförmige Aluprofile zu ersetzten. Ist seit einiger Zeit durch M.P. abgesegnet und steht sogar im Gerätekennblatt.
erst mal danke für die detaillierte Beschreibung und die Idee mit den Fertigprofilen. Ich habe da noch ein paar Steuerbügel von meinem Magic IV-Hängegleiter ....
Was mich aber obendrein interessiert: Wie habt ihr die Durchdringung der vorderen Stiele oben gelöst?
wenn Du auf die Profilrohre umrüsten willst musst Du das Material nehmen was von Michael Platzer vorgeschrieben wird. Du brauchst dann auch andere Beschläge an den Befestigungspunkten.
Hallo, habe 0,5 er Speerholz im vorderen Stielbereich ganz eng um das Rohr geformt und nach hinten spitz auslaufen lassen , verleimt und anschließend anstrichtechnisch behandelt. Man kann das Rohr überall umfassen und sich in den Flieger ziehen. Gruß Willi D-MWAC
wenn ich dich richtig verstanden habe, geht es Dir um die Verkleidung der bestehenden Rundrohrstiele. Bin leider noch nicht soweit, dass ich diesbezueglich einen Beitrag leisten kann. Du weisst schon :-)
Falls aber jemand das zugelassene Profilrohr sucht, kann diese bei Junkers bekommen. Es geht um das Aluminiumprofilrohr 22,5x52,5 vom Hersteller alisport. Hat jemand eine Zeichnung oder gute Fotos von den Verbindungspunkten?
hat einer schon seinen Flieger mit den Aluprofilrohren am Baldachin ausgerüstet und vielleicht eine Zeichnung von den Beschlägen, oder könnte diese sogar anfertigen?
nun habe ich endlich meine neuen Stiele fertig. Es ist die Lösung mit den Aluprofilen und den eingesteckten Stahlrohrschenkeln geworden. Da ich parallel auf SL-Wires umgestellt habe, hat das Projekt doch insgesamt recht lange gedauert. Es ist eine Heidenarbeit, die obere Durchdringung zu feilen, sowie das alles im Raum auszurichten. Da ich einen Hängeplatz in der Halle habe und der Flieger somit eigentlich nie ohne Stiele da stehen kann, musste ich recht aufwändig alle Maße im Raum nehmen und mir eine Form bauen auf der ich dann die Anpassungen gemacht habe.
Die Profile habe ich von ALISPORT aus Italien. http://www.alisport.com/?product=profilati-in-lega-leggera Es ist das Profil Nr 3 mit 22mm Außendurchmesser. Da passt exakt ein 20mm Rohr hinein - wenn man es dann rund lässt. Aber für den oberen vorderen Anschluss musste ich es auf 10mm platt drücken. Also wird es oval und schon passt es nicht mehr so klasse in das Profil. Also ist Feilen angesagt, um Raum für den Einsteckschenkel zu schaffen. Ebenso problematisch ist die obere Durchdringung, da die Rohre nicht gebogen werden können. Zum Glück habe ich meinen Bandschleifer noch. Um die Schenkelstücke zu schweißen, habe ich mir Mock-ups gebaut - aus kürzerem Rohr zum Anpassen. Sonst ist das Schweißen unmöglich. Nach dem Heften wurden die Schenkel fertiggeschweißt. Leider haben die sich dann wieder etwas verzogen, sodass man alles nur warm richten konnte.
Die unteren Anschlüsse habe ich aus Rohr einseitig in eine Form gedrückt - warm versteht sich von selbst. Dabei bekam ich auch direkt die nötige Kröpfung der Enden. Das war eigentlich die leichteste Übung.
Die Aluwippen habe ich aus Stahlblech gebogen, sowie aus einem Aluminium-Stranggussprofil gefräst. Recht intelligent diese Wippenlösung, da man nicht über die Neigung beim Bau nachdenken muss.
Die Stahlteile habe ich, soweit ich dran kam, gebürstet und mit Rostschutzgrund gestrichen - vor allem innen. Aller Rostschutz, der nach dem Einnieten noch sichbar war, wurde wieder entfernt - war leider nur einkomponentig und das hätte sich nicht mit meinem 2K Primer vertragen. Naja - Lack ist dann der nächste Schritt. Vernünftig primern und gut trocknen lassen. Dann der Decklack in 2 Lagen. Fertig.
Sieht super aus und macht sich bestimmt auch positiv bemerkbar. Wenn es nicht so viel Arbeit wäre würde ich das für unser blaues Wunder auch noch angehen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich die planmäßigen Stiele am Rumpf immer als Achillesferse betrachtet. An den vorderen vieren hängt der gesamte Flieger, wenn ich ihn unter die Decke in der Halle ziehe. Die Rohre waren extrem dünn und ich hatte dann beim Ausbau der alten Rohre auch eine Verstärkungshülse locker sitzen. Solltet ihr ggf. auch mal überprüfen, wenn schon nicht umgebaut wird ;- )
Hallo Lutsz, da stecken vile schöne Detail-Lösungen drin. Klasse gemacht!
Die Stabilität der originalen Rohre sehe ich als nicht ganz so kritisch an. Wie wir gestern beim Zusammenbau von Rumpf und Flächen 'mal wieder festgestellt haben, ist auf den Seilen ganz schön Spannung drauf. Die Seile übernehmen auch einen Teil der Last, wenn der Kiebitz an der Hallendecke hängt.
Aber Deine "Aerodynamik"-Lösung finmde ich schon auch rein optisch sehr gelungen. Fehlen nur noch die Radschuhe...
Gestern dann den ersten Testflug mit der kompletten Konfiguration gemacht:
Stielverkleidungen außen mit den 0,5 mm Turbulatoren - neue Stiele innen - SL Wires
Es ist ein völlig anderer Flieger! Nimmt man bei der Landung Gas raus, baut sich die Höhe gar nicht mehr so drastisch ab wie bei der ursprünglichen Konfiguration. Er setzt sich nicht mehr einfach hin, sondern schwebt wie ein 50-er Jahre Segelflugzeug aus. Man muss schon flacher anfliegen und die Fahrt im Auge behalten, denn "Höhe wegdrücken" geht bei kürzeren Landebahnen nicht mehr. Die Reisegeschwindigkeit stellt sich schon bei niedrigerer Motordrehzahl ein und das nervige Pfeifen der Drähte ab 120 kmh gehört der Vergangenheit an.